Das Hochstudhaus in Hirschthal gehört zu den eindrücklichsten Zeitzeugen der Baukultur im Kanton Aargau. Sein Kernbau stammt aus dem Jahr 1803 – aus einer Zeit, in der Handwerk,
Material und Konstruktion vollständig auf Erfahrung und regionalem Wissen basierten. Über Jahrhunderte hinweg wurde das Gebäude erweitert, angepasst und genutzt, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verlieren.
Für uns als Hochuli Schlossrued AG ist es eine besondere Aufgabe und gleichzeitig eine grosse Verantwortung, dieses einzigartige Bauwerk rückzubauen und an neuer Lage wieder aufzubauen. Gebäude mit dieser Geschichte werden nicht einfach ersetzt – sie werden verstanden, sorgfältig zerlegt und mit Respekt weitergeführt.
Zwischen Erhalt und Erneuerung
Im Zentrum unserer Arbeiten steht der bewusste Umgang mit der bestehenden Substanz. Ziel ist es, so viel wie möglich zu erhalten und nur dort einzugreifen, wo es konstruktiv notwendig ist. Gerade im Dachbereich zeigte sich der Handlungsbedarf deutlich. Die Umdeckung von einem leichten Strohdach auf schwere Ziegel führte über die Jahre zu statischen Problemen. Verschobene Balken, gelöste Verbindungen und ein gebrochener First waren die Folge. Beim Rückbau erfassen wir jedes Bauteil systematisch, dokumentieren den Zustand und bereiten die Elemente für den späteren Wiederaufbau vor. Wo erforderlich, werden Bauteile ersetzt oder verstärkt, immer mit dem Anspruch, die ursprüngliche Bauweise nachvollziehbar zu erhalten.
Vom Strohdach zur Ziegeldeckung
Die Entwicklung des Daches erzählt die Geschichte des Hauses. Über die Jahre kamen unterschiedlichste Ziegeltypen zum Einsatz, von frühen Biberschwanzziegeln bis zu industriell gefertigten Doppelfalzziegeln aus dem 19. Jahrhundert. Ein Teil dieser historischen Ziegel kann wiederverwendet werden. Ergänzt wird das Material gezielt durch passende Ersatzstücke. So entsteht beim Wiederaufbau eine Dachlandschaft, die sowohl technisch funktioniert als auch die Entwicklung der Baukultur sichtbar macht.
Unerwartete Herausforderungen
Bei einem Bauwerk dieser Zeit treten während des Rückbaus immer wieder Überraschungen auf. Schäden durch Feuchtigkeit, Holzschädlinge oder frühere Umbauten erfordern individuelle Lösungen. Im Stallbereich führte beispielsweise eine Kombination aus Setzungen und Materialermüdung zu einer Verdrehung der Konstruktion. Anstatt Bauteile vollständig zu ersetzen, entwickeln wir Lösungen, die den Bestand stabilisieren und gleichzeitig möglichst viel originale Substanz erhalten.
Jedes Bauteil erzählt eine Geschichte
Während der Demontage werden Nutzungsspuren sichtbar, die Einblicke in die Vergangenheit geben. Angearbeitete Holzflächen, Spuren von Beanspruchung oder konstruktive Details zeigen, wie das Gebäude über Jahrhunderte genutzt wurde. Diese Informationen fliessen direkt in unsere Arbeit ein. Sie helfen uns, das Gebäude nicht nur technisch korrekt wieder aufzubauen, sondern auch seine Geschichte weiterzutragen.
Ein Denkmal mit Zukunft
Die Unterschutzstellung im Jahr 2021 unterstreicht die Bedeutung des Hochstudhauses. Für uns bedeutet das: höchste Sorgfalt im Umgang mit der bestehenden Substanz und eine präzise Planung für den Wiederaufbau. Mit dem Rückbau und der anschliessenden Wiedererrichtung leisten wir einen Beitrag dazu, dieses Bauwerk für kommende Generationen zu erhalten. Traditionelles Handwerk, moderne Technik und ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Bestand greifen dabei ineinander.
Ein Projekt, das zeigt, was möglich ist, wenn Erfahrung, Respekt und handwerkliche Präzision zusammenkommen.


















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